Die verstummten Glocken

 

Wie jeder Kirchturm hat auch unser „Campanile“ ein Geläut. Natürlich. Denn das ist wohl die wichtigste Aufgabe eines Kirchturms: Durch Läuten den Gottesdienst anzukündigen oder besondere Anlässe. Die Uhr zu schlagen oder zu warnen im Feuersfall.

Nun waren an und in unserem Turm noch bis 1992 die teilweise schweren Schäden des Beschusses durch die Rote Armee zu sehen. Weiterhin war die Stabilität des Turmes durch fortschreitende Korrosion der eisernen Turmdecken äußerst mangelhaft. So sehr, dass Mitte der 1960er Jahre das Läuten eingestellt wurde.

Auf Initiative des Bauvereins erfolgte 1992/93 die Instandsetzung der Hülle des Turms. Ebenso wurde die innere gusseiserne Turmkonstruktion provisorisch abgesteift. Seither ist der Gebrauch des Geläuts wieder erlaubt und möglich.

So erklangen also die Glocken wieder vom Turm. Nach fast dreißigjährigem Schweigen. Am 29. August 1993, in einem großen Festgottesdienst. Was für ein Moment!

Übrigens: Die vier Glocken wurden 1849 von Johann Hackenschmidt in Berlin gegossen. In beiden Weltkriegen, 1917 und 1941, waren die größeren zur Rüstungsproduktion requiriert worden, aber beide Male wieder zurückgekehrt.

Sie bilden nun das einzige vollständig erhaltene Bronzegeläut des 19. Jahrhunderts in Potsdam und seiner weiteren Umgebung.

Text/Foto/Collage © PeGross2022